Das Wichtigste in Kürze
- Ofcom-Chefin Melanie Dawes sagte am 20. Oktober 2026 vor dem britischen Parlament, dass nicht jedes Bußgeld nach dem Online Safety Act eintreibbar ist.
- Von 11 Bußgeldern seit März 2025 sind nur 2 bezahlt, 9 sind offen.
- Vier der säumigen Dienste haben Großbritannien gesperrt, zwei Pornoanbieter haben die Altersprüfung nachgerüstet.
- 4chan zahlt die Strafe von insgesamt 520.000 Pfund nicht und antwortete mit einem KI-generierten Hamsterbild.
Die britische Medienaufsicht Ofcom bekommt das Geld aus dem Online Safety Act oft nicht. Am 20. Oktober 2026 sagte Ofcom-Chefin Dame Melanie Dawes vor dem Digital, Culture, Media and Sport Committee des britischen Parlaments, dass von 11 verhängten Bußgeldern 9 noch nicht bezahlt sind. Wörtlich sagte sie laut LBC: „Wir werden nicht jedes einzelne Bußgeld im Bereich Online-Sicherheit eintreiben können.“
Welche Bußgelder nach dem Online Safety Act sind offen?
Von den 11 Bußgeldern, die Ofcom seit März 2025 verhängt hat, sind laut Dawes nur zwei bezahlt. Eines liegt im Widerspruchsverfahren, eines ist noch nicht fällig. Die übrigen neun teilte Dawes nach Angaben von LBC so auf:
- Zwei Pornoanbieter haben inzwischen eine wirksame Altersprüfung eingeführt, das Bußgeld aber nicht bezahlt.
- Vier Dienste haben den Zugang aus Großbritannien gesperrt.
- Drei Dienste sind weiter erreichbar, ohne dass die Risiken behoben sind.
Als Grund nannte Dawes ausländische Gerichte, die eine Eintreibung erschweren könnten. Insgesamt hat Ofcom nach ihren Angaben 41 Untersuchungen eröffnet, mehr als die Hälfte davon ist abgeschlossen. Die Pflicht zur wirksamen Altersprüfung für Pornoseiten gilt in Großbritannien seit Juli 2025. Rechnet man die Angaben aus der Anhörung nach, ergeben sich 13 statt 11 Fälle. Darauf weist Gadget Review hin. Eine Erklärung dafür gibt es bisher nicht.
Warum zahlt 4chan das Ofcom-Bußgeld nicht?
Das bekannteste offene Bußgeld nach dem Online Safety Act betrifft das US-Forum 4chan. Laut City AM verhängte Ofcom gegen 4chan insgesamt 520.000 Pfund: 450.000 Pfund wegen fehlender Altersprüfung vor pornografischen Inhalten, 50.000 Pfund wegen einer fehlenden Risikobewertung zu illegalen Inhalten und 20.000 Pfund, weil 4chan nicht erklärt hatte, wie es Nutzer vor strafbaren Inhalten schützt.
4chan-Anwalt Preston Byrne antwortete auf die Zahlungsaufforderung mit einem KI-generierten Bild eines Hamsters. Nach der nächsten Aufforderung schrieb er: „We replied with a hamster. Again.“ Laut City AM spielt der Hamster auf einen Ausdruck in US-Juristenkreisen an: Fehlerhaft zugestellte Schriftstücke werden dort gern mit Hamsterstreu verglichen. 4chan argumentiert, das Forum habe kein Vermögen in Großbritannien. Ofcom müsste deshalb vor einem US-Gericht klagen. Byrne beruft sich außerdem auf den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung, der die Meinungsfreiheit schützt.
Was das für Creator bedeutet
Die eigentliche Schwäche der Aufsicht zeigt sich bei Anbietern ohne Sitz oder Vermögen in Großbritannien: Sie können Ofcom-Bußgelder praktisch aussitzen. Plattformen, die in Großbritannien greifbar sind, müssen dagegen Altersprüfungen umsetzen und tragen die Kosten dafür. Für Creator, die bei regelkonformen Abo-Plattformen arbeiten, ist das eine Frage des fairen Wettbewerbs. Britische Nutzer finden bei Anbietern, die sich nicht an die Regeln halten, weiterhin Inhalte ohne Altersprüfung.
Die Zahlen zeigen aber auch, dass der Druck wirkt. Zwei Anbieter haben die Altersprüfung nachgerüstet, vier haben Großbritannien ganz gesperrt. Die Debatte um Altersprüfungen läuft auch auf dem Kontinent, etwa bei der Ermittlung der französischen Arcom gegen Mym und bei der gescheiterten DSA-Klage von Stripchat. Wenn du britische Fans hast, bleibt es also wichtig, dass deine Plattform die Vorgaben erfüllt. Ob Ofcom neue Befugnisse bekommt, um Bußgelder im Ausland einzutreiben, ist offen.
Häufige Fragen
Wie viele Bußgelder nach dem Online Safety Act sind unbezahlt?
Laut Ofcom-Chefin Melanie Dawes hat die Behörde seit März 2025 insgesamt 11 Bußgelder verhängt. Davon sind 2 bezahlt, eines liegt im Widerspruch, eines ist noch nicht fällig, und 9 gelten als unbezahlt. Rechnet man die Angaben nach, ergeben sich allerdings 13 statt 11 Fälle. Eine Erklärung dafür gibt es bisher nicht.
Warum kann Ofcom nicht alle Bußgelder eintreiben?
Viele betroffene Anbieter sitzen im Ausland und haben kein Vermögen in Großbritannien. Ofcom müsste dann vor ausländischen Gerichten klagen, und Dawes nannte genau diese Gerichte als mögliches Hindernis. 4chan argumentiert zum Beispiel, Ofcom müsse in den USA klagen.
Wie hoch ist das Bußgeld gegen 4chan?
Ofcom verhängte gegen 4chan insgesamt 520.000 Pfund. Davon entfallen 450.000 Pfund auf die fehlende Altersprüfung, 50.000 Pfund auf eine fehlende Risikobewertung zu illegalen Inhalten und 20.000 Pfund auf fehlende Angaben zum Nutzerschutz. 4chan hat bisher nicht gezahlt.
Was bedeutet das für Creator mit britischen Fans?
Plattformen, die in Großbritannien greifbar sind, müssen Altersprüfungen umsetzen. Ausländische Anbieter ohne britisches Vermögen können Bußgelder dagegen praktisch aussitzen. Für regelkonforme Abo-Plattformen ist das eine Frage des fairen Wettbewerbs, an der Pflicht zur Altersprüfung ändert es aber nichts.
Quellen
- LBC: Ofcom chief admits tech firm fines may never be recovered (Anhörung vor dem DCMS-Ausschuss, 20.10.2026)
- Ofcom’s War on Illegal Content Is Hitting a Global Wall: Why Fines Are Going Unpaid
- 4chan ridicules Ofcom again as watchdog chases unpaid £520k fine
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