OnlyFans Steuern: Italien beanstandet 160.000 Euro auf Auslandskonten

Schreibtisch mit Finanzunterlagen, Taschenrechner, Smartphone mit Abo-App, Bankkarte und kleinen Goldbarren

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Guardia di Finanza in Ascoli Piceno beanstandet rund 160.000 Euro nicht erklärte Einnahmen einer Creatorin aus den Steuerjahren 2022 bis 2025.
  • Das Geld stammte überwiegend aus OnlyFans-Abos und Chat-Zahlungen und floss auf Konten in Litauen und Spanien.
  • Bei der spanischen Firma der Creatorin vermutet die Finanzpolizei einen nur formalen Auslandssitz.
  • Beanstandet werden direkte Steuern, Umsatzsteuer und die italienische tassa etica von 25 Prozent auf Einkünfte aus Erwachseneninhalten.
  • Zusätzlich fanden die Ermittler Gold in der Schweiz im Wert von über 70.000 Euro mit rund 25.000 Euro nicht erklärten Wertzuwächsen.

Die Guardia di Finanza, Italiens Finanzpolizei, hat in der Provinz Ascoli Piceno eine Steuerprüfung gegen eine Creatorin mit rund 220.000 Followern auf Instagram und TikTok abgeschlossen. Laut einer am 27. Oktober 2026 verbreiteten Mitteilung der Behörde soll sie in den Steuerjahren 2022 bis 2025 rund 160.000 Euro an Einnahmen nicht erklärt haben, überwiegend aus dem Verkauf von Inhalten auf OnlyFans. Es geht also um OnlyFans Steuern: Das Geld floss auf zwei Konten im Ausland, eines in Litauen und eines in Spanien.

Was wirft die Guardia di Finanza der Creatorin vor?

Die Ermittler beanstanden nicht erklärte Einnahmen von rund 160.000 Euro aus vier Steuerjahren. Nach der Pressemitteilung des Provinzkommandos Ascoli Piceno stammte das Geld vor allem aus Abo-Gebühren und aus Zahlungen von Fans in privaten Chats auf der britischen Plattform OnlyFans. Die Creatorin war den Steuerbehörden zuvor nicht bekannt, die Summen rekonstruierten die Ermittler aus den Geldflüssen.

Beanstandet werden Verstöße bei den direkten Steuern und bei der Umsatzsteuer (IVA). Dazu kommt die sogenannte „tassa etica“, eine 2006 eingeführte Zusatzsteuer von 25 Prozent auf Einkünfte aus der Produktion, Verbreitung oder dem Verkauf von Erwachseneninhalten. Die Behörde spricht von Beanstandungen, nicht von einem rechtskräftigen Urteil. Die Vorwürfe sind also bisher nicht gerichtlich bestätigt.

Welche Rolle spielen die Konten in Litauen und Spanien?

Die Auslandskonten haben die Einnahmen nicht vor dem Fiskus verborgen, sie standen im Zentrum der Prüfung. Laut Il Resto del Carlino ist das spanische Konto mit einer spanischen Gesellschaft verbunden, die die Creatorin selbst führt. Bei dieser Firma vermutet die Finanzpolizei eine sogenannte „esterovestizione“, also einen nur formal ins Ausland verlegten Firmensitz, während die Tätigkeit tatsächlich in Italien stattfindet.

Außerdem stießen die Ermittler auf Goldanlagen in der Schweiz im Wert von mehr als 70.000 Euro. Daraus sollen rund 25.000 Euro an nicht erklärten Wertzuwächsen stammen. Diese Erkenntnisse gingen an die Agenzia delle Entrate, die italienische Steuerverwaltung, die ausländisches Vermögen überwacht. Auch la Repubblica berichtete über den Fall. Die Person wird in der Mitteilung der Behörde nicht namentlich genannt.

Was das für Creator bedeutet

Der Fall zeigt, dass Steuerbehörden in der EU OnlyFans-Einnahmen gezielt über Zahlungsströme nachverfolgen, auch wenn das Geld auf Konten in anderen EU-Staaten landet. Ein Konto bei einer Bank in Litauen oder eine Firma in Spanien ändert nichts daran, wo jemand steuerpflichtig ist. Entscheidend ist in der Regel, wo du lebst und arbeitest.

Für dich als Creator im deutschsprachigen Raum lassen sich daraus nüchterne Punkte ableiten:

  • Einnahmen aus Abos und Chats sind Einkünfte, die im Wohnsitzland erklärt werden müssen, unabhängig davon, auf welches Konto sie fließen.
  • Auslandsfirmen werden von Behörden darauf geprüft, ob sie wirklich im Ausland geführt werden oder nur auf dem Papier existieren.
  • Auslandsvermögen wie Gold oder Depots kann eigene Meldepflichten auslösen.

Dass Behörden auch außerhalb Italiens genau hinschauen, zeigt ein Fall aus der Ukraine, über den wir berichtet haben: Dort bestätigte ein Gericht eine Steuerforderung von 568.000 Hrywnja. Dieser Beitrag ersetzt keine Steuerberatung. Wenn du unsicher bist, wie du deine Einnahmen korrekt erklärst, wende dich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.

Häufige Fragen

Was wird der Creatorin aus Ascoli Piceno vorgeworfen?

Die Guardia di Finanza wirft ihr vor, in den Steuerjahren 2022 bis 2025 rund 160.000 Euro an Einnahmen nicht erklärt zu haben, überwiegend aus OnlyFans-Abos und Chat-Zahlungen. Beanstandet werden direkte Steuern, Umsatzsteuer und die tassa etica. Ein rechtskräftiges Urteil gibt es bisher nicht.

Schützt ein Konto in Litauen oder Spanien vor der Steuer im Heimatland?

Nein, der Fall zeigt das Gegenteil. Die italienischen Ermittler haben die Geldflüsse auf die Konten in Litauen und Spanien rekonstruiert und die Einnahmen trotzdem dem italienischen Fiskus zugerechnet. Maßgeblich ist in der Regel, wo du lebst und arbeitest, nicht wo das Konto liegt.

Was ist die tassa etica in Italien?

Die tassa etica ist eine 2006 eingeführte italienische Zusatzsteuer von 25 Prozent auf Einkünfte aus der Produktion, Verbreitung oder dem Verkauf von Erwachseneninhalten. Sie kommt zur normalen Einkommensteuer hinzu. Im Fall aus Ascoli Piceno wurde sie neben Einkommen- und Umsatzsteuer beanstandet.

Wird die Creatorin namentlich genannt?

Nein. Die Mitteilung der Guardia di Finanza nennt keinen Namen, sondern spricht von einer Digital Content Creatorin aus der Provinz Ascoli Piceno mit rund 220.000 Followern auf Instagram und TikTok. Auch wir nennen keinen Namen, weil es um die Steuerpflicht geht, nicht um die Person.

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